In der Ausgabe 37 der Illustrierten Die neue Frau befindet sich auf Seite 11 ein kurzer Artikel über Bud Spencers Sohn Giuseppe:

Obwohl in der Zeitschrift keine Quelle angegeben ist, bezieht sich der Artikel ganz offensichtlich auf ein dreiseitiges Interview, das der italienische Journalist Lucio Giordano für die Zeitschrift Dipiù geführt hat und das am 5. September in Ausgabe 31 der Zeitschrift veröffentlicht wurde. Leider wurde der deutsche Artikel nicht nur stark gekürzt, sondern Giuseppes Aussagen auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen, damit der Artikel dramatischer erscheint. Wir haben das Original-Interview ins Deutsche übersetzt und möchten euch dieses nicht vorenthalten, zumal es auch die ein oder andere ganz nette Anekdote aus Bud Spencers Leben enthält. Die Übersetzung ist sicherlich nicht wortwörtlich korrekt, dürfte aber Inhaltlich Giuseppes Aussagen richtig widerspiegeln.

Von Lucio Giordano
Manchmal beschreibt eine kleine Geschichte am Besten eine Persönlichkeit. Giuseppe Pedersoli, der Sohn Bud Spencers (echter Name Carlo Pedersoli) erinnert sich an eine Begebenheit mit seinem Vater, die vor 30 Jahren geschah: Eines Tages wachte mein Vater auf, zog sich an, frühstückte und sagte mit ganz normaler Stimme zu meiner Mutter: “Heute komme ich nicht zum Abendessen, wartet nicht auf mich”. Meine Mutter gab dem nicht viel Gewicht, denn mein Vater kam oft erst spät in der Nacht von der Arbeit wieder. An diesen Tag aber kam er nicht wieder und auch nicht am folgenden Tag. 48 Stunden später rief er meine Mutter an und fragte sie, als ob sie sich erst vor ein paar wenigen Stunden gesehen hätten: “Hallo, ist alles in Ordnung?”. Und dann fügte er hinzu: “Ich bin in den USA, aber ich werde morgen zurück kommen.”
Ich frage Giuseppe, 50jähriger Filmproduzent und ältestes von drei Kindern des großen Schauspielers, der gemeinsam mit Terence Hill die Ära des Spaghetti-Westerns mit Filmen wie “Gott vergibt, Django nie!” oder der Trinity-Serie prägte, was der Grund seines Vaters war, ohne Vorwarnung nach Amerika zu reisen. Er sagt: “Es gab keinen Besonderen. Papa hat die Herausforderung eines Freundes angenommen den Ozean mit einer zweimotorigen Maschine zu überqueren. Sie flogen zwei Tage in diesen engen Flugzeug, nur um die Gefahr des Abenteuers zu spüren. Und auch heute können ihn seine körperlichen Beeinträchtigungen nicht aufhalten. Auch mit über 80 Jahren fordert er das Schicksal noch heraus um neue Emotionen zu erleben.”
“Mein Vater ist ein Mann der ein leichtes Leben führt, trotz seiner 130 Kilo. Er ist ein selbstbewusster Mann, der nie etwas vermisste, dabei aber nie die Bodenhaftung verlor. Er hatte das Glück in meiner Mutter die Frau seines Lebens zu finden. Das gab ihn freie Bahn. Es ist Fakt, dass meine Eltern immer zusammen gestanden haben, trotz ihrer sehr unterschiedlichen Charaktere. In anderen Worten, sie sind ein Herz und eine Seele. Ich bin sicher, dass eine andere Frau es keine sechs Monate mit meinem Vater aushalten würde. Sie aber haben vor 50 Jahren geheiratet und ihre Liebe ist wie am ersten Tag.”
Vielleicht hat Giuseppe Recht. Mit einer anderen Frau hätte es nicht funktionieren können. Aber Maria Amato, die Ehefrau Bud Spencers, wusste, wie man seinen Charakter zu nehmen hatte. Und sie konnte den künstlerischen Erfolg des Schauspielers richtig einordnen, mit dem gefestigten Charakter einer Frau, die die Filmwelt genausten kannte, war sie doch die Tochter eines der wichtigsten Filmproduzenten des italienischen Nachkriegskinos.
Und Giuseppe sagt: “Mama übernahm auch den Platz des Vaters. Als ich, Cristiana und Diamante, meine beiden Schwestern, Teenager waren, sahen wir unseren Vater höchsten drei, vier Monate im Jahr. Den Rest des Jahres war er bei Dreharbeiten in der ganzen Welt. Und wenn er dann einmal in Rom und Umgebung war, kam er abends immer als Cowboy in kompletter Kostümierung nach Hause. Ich kann nicht bestreiten, dass dies auf einen kleinen Jungen keinen Eindruck machte.”
Spürte er diesen Mangel?
“Nein, ich denke nicht. Ich hätte in meiner Teenagerzeit gerne mehr Zeit mit ihm verbracht, aber meine Mutter war sehr gut darin die Lücken seiner Abwesenheit zu füllen. Sie löste die täglichen Probleme mit viel Energie und Entschlossenheit. Um es klarer zu sagen, ich fühlte mich nie vaterlos. Papas Abwesenheit gehörte nun einmal dazu, sie war Fakt. Und trotz allem, war das Familienleben meines Vaters sehr intensiv. Trotz seiner Arbeit versuchte er ständig präsent zu sein, selbst wenn er tausende Kilometer entfernt war, in dem er oft anrief oder versprach bei der der nächsten längeren Drehpause nach Hause zu kommen.”
Glauben sie, dass er ihrer Mutter immer treu war?
“Ich denke schon. Mein Vater war nie im Mittelpunkt irgendwelcher Skandale. Als Junge erzählte er mir, dass er viele Angebote von Frauen hatte, aber er liebte meine Mutter. Schon die Idee sie zu betrügen machte ihn krank. Und er sagte wiederholt: “Mein größter Wunsch ist es die Familie zusammen zu halten. Alles für ein Abenteuer aufzugeben, ist etwas für Idioten”. Und auch heute noch sehen wir uns fast jeden Tag, weil er es sich so sehr wünscht mit uns zusammen zu sein.”
Überhäufte er sie mit Geschenken, wenn er nach langer Abwesenheit nach Hause kam?
“Nein, er brachte höchstens Kleinigkeiten mit, profane Dinge, würde ich sagen. Es gab seiner Meinung auch nichts, wofür er sich entschuldigen müsste. Seine Abwesenheit gehörte einfach zu seiner Arbeit. Nur einmal brachte eine teure elektrische Eisenbahn mit nach Hause. Und die baute er dann innerhalb eines Tages auf und hatte dabei mehr Spaß als ich.”
Also war er ein strenger Vater?
“Machen sie Witze? Papa lebte ein einfaches Leben, auch in erzieherischer Hinsicht. Er gab lieber Beispiele, als Vorwürfe zu machen. Er machte niemals irgendwelche Vorgaben, er gab mir die Möglichkeit meine eigenen Fehler zu machen und vom Leben zu lernen. Dafür hat er mich nie bestraft und er hat mir auch nie eine Ohrfeige gegeben. Und wenn ich abends ausgegangen bin, lag meine Mutter schlaflos wach bis ich wieder zurück kam, während mein Vater tief und fest schlief. Und am nächsten Morgen fragte er mich dann: “Hattest Du Spaß gestern Abend?”.”
Haben sie die gleiche Persönlichkeit wie ihr Vater?
Ich wäre nicht ehrlich, wenn ich dies nicht verneinen würde. Mein Vater war einfach überwältigend. Und manchmal frage ich mich, ob ich mich nicht wohler und selbstbewusster im Leben und bei der Arbeit fühlen würde, wenn mein Vater nicht so ein Siegertyp gewesen wäre, in wirklich allen Dingen. Als Kind hätte ich es nie gewagt ihn beim Armdrücken herauszufordern, da ich sicher war zu verlieren. Meine zwei Söhne versuchen dagegen ständig mich in irgendwelchen Dingen zu besiegen.
Haben sie je daran gedacht künstlerisch in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten?
Mein Vater war immer ein Schauspieler der von Fall zu Fall dachte. Er sollte ursprünglich nur einen Film machen, um eine alte Schuld zu tilgen, daraus wurden dann mehr als 120. Das war nicht meine Welt. Und auch weil ich nicht zum Star taugte, hatte ich nie die Ambition vor der Kamera zu stehen. Abgesehen von ein paar kleinen Rollen an der Seite meines Vaters, hatte ich also nie die Absicht ernsthaft zu schauspielern. Stattdessen wurde ich Anwalt, als ich knapp über 20 Jahre alt war. Aber wenige Monate nach dem Abschluss, fand ich mich selbst als ausführender Produzent beim letzten Film des großartigen Regisseurs Sergio Leone vor, “Es war einmal in Amerika”. Über die Jahre hinweg war ich dann erst Regieassistent und fand dann meinen Weg als Produzent. Vor 20 Jahren habe ich dann bei “Wenn man vom Teufel spricht” angefangen mit meinem Vater zu arbeiten. Seit dem haben wir damit nicht aufgehört.
Kommen sie am Set gut miteinander aus?
Ich bemühe mich darum. Es ist ähnlich wie bei meiner Mutter, auch unsere Charaktere sind sehr verschieden. Ich bin streng, diszipliniert und akribisch. Ich liebe es jedes einzelne Detail zu planen. Aber das ist mit meinem Vater nicht möglich. Mein Vater lebt mit einer gewissen Leichtigkeit und als Schauspieler zieht er es vor seine Zeilen zu improvisieren, anstatt sie auswendig aufzusagen. Er kann mit Leichtigkeit und ohne große Anstrengung rezitieren. Und nach der dritten Klappe einer Szene, sucht er dann den Kontakt zum Regisseur und erklärt ihm: “Ok, das hörte sich doch gut an. Machen wir mit der nächsten Szene weiter.”. Wenn er nicht mein Vater wäre, würde mich das vermutlich sehr wütend machen. Aber im Grunde kann man gar nicht mit ihm streiten. Spätestens nach 1,5 Minuten hat man ohnehin wieder vergessen, warum man streitet.
Verlieren sie je die Geduld mit ihren Vater?
Ja, wenn er anderen zu sehr vertraut. Vor einigen Jahren hat er eine Jeans-Fabrik gegründet, der er seinen Namen gab, aber dann betrog ihn sein Partner. Kürzlich brachte er seinen Wagen in die Werkstatt, um einen beschädigten Kotflügel reparieren zu lassen. Ich besuchte ihn kurz danach und er fragte mich: “Hast Du den neuen Kotflügel gesehen?” – “Neu? Ich kam her, um mir die Reparatur anzusehen. Es ist der gleiche Kotflügel wie zuvor.” – “Was erzählst Du da?”, antwortete er, “Schau, ich habe hier die Rechnung und sie sagten mir, dass sie ihn ersetzt hätten”. Sie hatten ihn aber nur ausgebeult. Aber so ist mein Vater: Er ist wie ein naives Kind, nur mit einem größeren Geist, das in einer eigenen Welt lebt. Der Ärger des Alltags langweilt ihn, er möchte lieber seine tausend Leidenschaften ausleben, die Schauspielerei, aber auch die Musik und früher auch seinen kreativen Geist. Vor einiger Zeit hat er versucht ein sich mit einem Propeller selbst aufladendes Auto zum Patent anzumelden. Er tat dies mit dem Enthusiasmus und der Energie eines Zwanzigjährigen. Und mit über 80 sollte eigentlich die Endphase des Rennens beginnen, mit anderen Worten die Vorbereitung auf den Tod. Aber das hat mit ihm nichts zu tun und ängstigt ihn nicht. Er lebt von Tag zu Tag. Er sagt immer wieder: “Es hat keinen Zweck Pläne zu machen. Das Leben ist voller Überraschungen. Die unerwartet schönen …”
Quelle: Dipiù, Ausgabe 31, 5. September 2011

Vielen Dank an Michael Lippitsch, der uns auf den Artikel in “Die neue Frau” aufmerksam machte und uns auch den Originalartikel aus Italien eingescannt hat!





